Erlebtes

Das rechtsstehende Wort aus dem Galaterbrief hat mich vor 60 Jahren tief getroffen. Das kam so:

Ich ging zu einer Singfreizeit nach Oberjettingen und der Freizeitleiter war der Kantor Paul Ernst Ruppel. Das war dort eine fröhliche Singgemeinde. Ruppel machte es so, dass er gewisse Kompositionen von sich auf solchen Freizeiten selbst einübte und erprobte. Und so erprobte er mit uns die Rufermotette, so nennt man das „Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten, denn was der Mensch sät, das wird er ernten.“ Ich werde es nie vergessen, wie er daran gearbeitet hat, die Koppelkonsonanten in dem Wort „irret“, dass diese messerscharf kamen, treffend für jeden, nicht überhörbar. Und so ging das im Wechsel der Männer- und Frauenstimmen „Irret euch nicht, irret euch nicht“, dann der Schluss musikalisch ausgelegt mit einem breiten überzeugenden Legate: „Denn was der Mensch sät, das wird er ernten“. Dieser musikalische Ausdruck war so deutlich ohne jede Widerspruchsmöglichkeit. Diese musikalische Intensität ist mir damals unter die Haut gegangen und wirkt noch heute. Irret euch nicht, so möchte man es heute in die Welt hineinrufen, man möchte es den Parteien zurufen, den Regierungen, den Mächtigen dieser Welt: Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten, was ihr sät, werdet ihr ernten. Irret euch nicht, alle die ihr Gott ignoriert, irret euch nicht, ihr Globalisierer, irret euch nicht, ihr Gewinnmaximierer, irret euch nicht, auch ihr werdet euch einmal verantworten müssen vor dem Schöpfer dieser Welt.

 

Wir wollen aber dieses Wort nicht nur an andere richten und auf andere hinweisen, diese Feststellung von Paulus soll auch uns selbst treffen. Was habe ich gesät in meinem Leben?

Ich bin jetzt 55 Jahre auf dem Bezirk und man schaut oft zurück. Was haben wir als Gemeinde und als Bezirk gesät, was dürfen wir ernten? Eine ernste Frage an uns, der wir uns öfter stellen sollten.

Mein Vater ist vor Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Er lag 5 Tage in Ruit nicht ansprechbar. Wir als Familie standen immer wieder um das Bett, aber der Vater war abwesend. Doch plötzlich sagte er: „Die Ernte ist reif, es kann geschnitten werden.“ Das waren seine letzten Worte, die er hier auf der Erde sagte.

Lieber Vater, ich danke dir für dieses Zeugnis, das du uns hiermit gegeben hast. Ein weiteres Zeugnis: in der DDR gab es die landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaften, die von der Partei geführt wurden. Dort war einmal auf einem riesengroßen Plakat zu lesen am Gebäude: „Ohne Gott und Sonnenschein, fahren wir die Ernte ein.“ Dazu braucht es keinen Kommentar. Jawohl, irret euch nicht. Über dieses Bibelwort sollten wir immer wieder nachdenken.

Fritz Schädlich

 

 

 

Die Bibel

Irret Euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten, denn was der Mensch sät, das wird er ernten.

Aus Galater 6, 7 nach der Lutherbibel

 

Seid auf Gottes Reich bedacht und lebt nach der Liebe, die Gott entspricht; so wird euch alles zum Leben Nötige zuteil werden.

Jesus in Matthäus 6, 33 (Übertragung)